Positionspapier Energie Uster AG

Positionspapier Energie Uster AG

Neun Chancen für eine nachhaltige Energieversorgung der Stadt Uster und eine zukunftsgerichtete Energie Uster AG

Ausgangslage

Die Energie Uster AG ist seit einigen Jahren eine privatrechtliche Aktiengesellschaft und zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Uster. Es handelt sich um eine kaufmännisch solid geführte Unternehmung, die wirtschaftlich gesund da steht. Das Unternehmen wird jedoch den Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung und eine nachhaltige Energieversorgung nicht gerecht. Und verpasst damit wichtige Chancen in den liberalisierten Energiemärkten.
Auf Grund einer wenig innovativen Unternehmenspolitik droht die Energie Uster AG im liberalisierten Energiemarkt KundInnen an die Konkurrenz zu verlieren. Die heutige Unternehmensstrategie, die offenbar nur auf möglichst tiefe Energiepreise abstützt, ist zu wenig erfolgversprechend. Denn die Energie Uster AG kann die Energie nicht günstiger einkaufen als die Grossen der Branche und wird so keine preislichen Wettbewerbsvorteile aufweisen können. Gefragt ist eine gute lokale Verankerung sowie eine konsequente Positionierung als fortschrittliches Unternehmen. Die Ustermerinnen und Ustermer sollen überzeugt sein, dass ihr Energieversorgungsunternehmen qualitativ zu den Besten gehört und durch seine nachhaltige Ausrichtung Mehrwert schafft: Für die Unternehmen, die Einwohnerinnen und Einwohner, die Stadt Uster und die Umwelt.
Die Sozialdemokratische Partei von Uster ist überzeugt, dass die Chancen für eine zukunftsgerichtete Energie Uster AG und eine nachhaltige Energieversorgung von Uster sowohl von der politischen Gemeinde Uster wie von der Unternehmung Energie Uster AG nicht ausreichend gepackt werden. Die SP fordert deshalb den Stadtrat als Vertreter der Aktionärsrechte sowie den Verwaltungsrat der Energie Uster AG auf, folgende Chancen konsequent zu nutzen:


Die unternehmerischen Chancen für eine nachhaltige Energieversorgung in Uster im Kompetenzbereich der Energie Uster AG:

1. Die Energie Uster AG bietet nicht nur Strom und Erdgas an, sondern verkauft direkt Wärme und Kälte (Contracting als unternehmerische Chance).
Die KundInnen der Energie Uster AG wollen im Grundsatz gar keinen Strom oder kein Erdgas, sondern ein kaltes Bier und eine warme Wohnung. Der Verkauf von Wärme oder Kälte (Kälte vor allem für Unternehmen) ist eine innovative Dienstleistung für die KundInnen und wird als Anlagencontracting bezeichnet. Die Energie Uster ist Eigentümerin und Betreiberin von Energieversorgungsanlagen bei den KundInnen im Haus und verkauft diesen direkt Wärme oder Kälte. Die KundInnen müssen keine Investitionen in eine Heizung mehr tätigen, sondern erhalten jeweils eine Rechnung für die bezogene Wärme.
Zahlreiche Energieversorgungsunternehmen steigen in diesen neuen Markt ein, weil sie damit ihre KundInnen im liberalisierten Energiemarkt halten können und neue Geschäftsfelder in einem langfristig schrumpfenden Markt erobern können.
Mit Vorteil umfasst das Contracting Anlagen, die - je nach Wunsch der KundInnen - erneuerbare Energien oder Umweltwärme nutzen, beispielsweise Holzfeuerungen oder Wärmepumpen. Mit dem aktuellen Wachstum und der damit verbundenen Bautätigkeit der Stadt bestehen ideale Marktchancen für diese Symbiose von Ökonomie und Ökologie. Die Energie Uster AG können dieses Geschäftsfeld alleine oder in Kooperation mit einem erfahrenen Partner aufbauen.

2. Die Energie Uster AG versorgt die Stadt Uster mit erneuerbarer Elektrizität.
Die Stromkennzeichnung macht's deutlich. Die EinwohnerInnen von Uster erhalten einen Strommix, der zu 84 Prozent aus Kernenergie besteht. Neuerdings hätte man auch die Möglichkeit, durch einen Aufpreis von 0,5 Rp./kWh (entspricht ca. 2-3 Prozent Mehrkosten) Strom aus Wasserkraft zu beziehen. Dieses deutlich ökologischere Produkt muss aber separat bestellt werden.
Uster soll es machen wie Genf oder Zürich. Alle EinwohnerInnen erhalten automatisch den ökologischeren Strom - und wer lieber die 0.5 Rp./kWh billigere Kernenergie will, soll diese bitte separat bestellen.

3. Die Energie Uster AG fördert effiziente Energieanwendungen und erneuerbare Energien mit einem Förderfonds.
Andere Energieversorgungsunternehmen machen es vor. Sie besitzen einen Fonds, mit welchem der Einsatz von erneuerbaren Energien und die effiziente Energieanwendung finanziell gefördert werden. Das lohnt sich Dreifach: Zufriedene KundInnen werden auch in einem liberalisierten Energiemarkt der Energie Uster AG treu bleiben - die Umwelt wird entlastet - und die lokalen Unternehmen profitieren von Investitionen in erneuerbare Energien.

4. Die Energie Uster AG bietet ausreichend ökologische Energieprodukte an.
Die heutige Angebotspalette zu ökologischen Energieprodukten der Energie Uster AG ist dürftig: Das Kraftwerk für den Strom aus dem Aabach hält die heutigen gesetzlichen Anforderungen an die Restwassermengen nicht ein und ist deshalb zu wenig ökologisch, der Strom aus Sonnenenergie ist ausverkauft. Die Energie Uster AG soll deshalb genügend ökologische Stromprodukte anbieten, die mit dem Ökostromlabel „naturemade star" - ausgezeichnet sind. Dadurch wird eine hohe ökologische Qualität garantiert, analog der Bio-Knospe beim Gemüse.
Auch beim Erdgas sind neue ökologische Produkte denkbar. Statt nur an den Tankstellen soll Biogas auch für Heizungskunden angeboten werden.

Die Chancen für eine nachhaltige Energieversorgung in Uster im Kompetenzbereich des Stadtrates von Uster:

5. Die Energie Uster AG trägt zu einem gesunden städtischen Haushalt bei.
Die Energie Uster AG ist finanziell kerngesund. Als steuerbefreites Unternehmen erwirtschaftete sie in den letzten Jahren jeweils jährlich über 3 bis 3.5 Mio. Fr. Gewinn - ohne der Stadt dafür eine angemessene Dividende zu zahlen. Die Stadt kam in den letzten Jahren in den Genuss einer Konzessionsabgabe von ca. 600'000 Fr pro Jahr sowie Dividenden von 200'000 bis 600'000 Fr. pro Jahr. In der Abstimmungsunterlage zur Ausgliederung war noch von Dividenden, Steuern und Konzessionsabgabe als Abgeltung an die Stadt die Rede. Mittlerweile haben sich auf Grund der geringen Dividendenzahlung in der Kasse der Energie Uster AG über 11 Mio. Fr. flüssige Mittel angehäuft - ohne dass die Energie Uster das Geld investiert. Das Unternehmen soll endlich zum eigenen Nutzen in eine nachhaltige Energiezukunft investieren, beispielsweise in das zukunftsträchtige Contracting-Geschäft (siehe Punkt 1). Der letztjährige Gewinn von 3.8 Mio. Fr. entsprecht immerhin rund 6 Steuerprozenten.
Wenn die Energie Uster AG in relevantem Ausmass zur nachhaltigen Entwicklung von Uster beiträgt, ist die SP bereit, eine geringere finanzielle Abgeltung an die Stadt in Kauf zu nehmen. Bei gleich bleibender Unternehmensstrategie fordert die SP den Stadtrat als Vertreter der Aktionärsrechte aber auf, dafür zu sorgen, dass die Erträge der Energie Uster AG in erheblichem Masse zum Finanzhaushalt der Stadt beitragen.

6. Das Stadt Uster stärkt das energiewirtschaftliche und umwelttechnische Know-how im Verwaltungsrat der Energie Uster AG.
Der Verwaltungsrat der Energie Uster AG ist einseitig zusammen gesetzt. Für ein Unternehmen der Energiebranche ist es erstaunlich, dass neben einem energierechtlich versierten Juristen und einem Fachmann der Elektroinstallationsbranche kein einziges Mitglied des Verwaltungsrates über einen beruflichen Hintergrund aus der Energiewirtschaft, der Umwelttechnik, der erneuerbaren Energien oder aus einem dem Stromgeschäft vergleichbaren Dienstleistungsmarkt verfügt. Dieser Mangel führt dazu, dass das Unternehmen wohl finanziell solid, aber in energiewirtschaftlicher Sicht wenig innovativ und zukunftsgerichtet da steht. Die SP fordert deshalb den Stadtrat als Vertreter der Aktionärsrechte auf, das Know-how im Verwaltungsrat breiter abzustützen und auch Fachleute mit energiewirtschaftlichem oder umwelttechnischem Knowhow in den Verwaltungsrat zu wählen.

7. Die Stadt Uster trägt mit ihrer Siedlungspolitik zum Erfolg der ökologischen Produkte einer prosperierenden Energie Uster AG bei.
Die Stadt Uster soll nicht nur mit der Energie Uster AG zusammenarbeiten wenn es um Strassensanierungen und Werkleitungserneuerungen geht. Durch ökologische Vorgaben bei Gestaltungsplänen oder von Quartierentwicklungen wie den Loren oder Eschenbüel, kann die Stadt ideale Voraussetzungen für attraktive und ökologische Angebote der Energie Uster AG schaffen. Die von der SP geforderte Erschliessung des Eschenbüels nach den Leitlinien der 2000-Watt-Gesellschaft bietet auch eine Chance für die Energie Uster AG. Sie kann das ganze Quartier mit erneuerbaren Energien versorgen. Auch in anderen Gebieten der Stadt bestehen Möglichkeiten mittels planerischen Vorgaben ideale Voraussetzungen für die Nutzung von erneuerbaren Energien zu schaffen, beispielsweise mit einem durch eine Holzschnitzelfeuerung betriebenen Wärmeverbund.

8. Die Stadt Uster stellt den EinwohnerInnen und Unternehmen eine kostenlose Energieberatung zur Verfügung.
In Haushalten und Unternehmen lassen sich durch eine optimalere Regelung oder Steuerung von Anlagen sowie durch den Einsatz von möglichst energieeffizienten Apparaten und Anlagen (z.B. Waschmaschinen, Wäschetrockne, Pumpen, Antriebe) bedeutende Energiemengen einsparen. Damit diese Einsparpotentiale von 10 Prozent, 20 Prozent oder sogar 50 Prozent genutzt werden können, braucht es eine aktive Unterstützung und Beratung der Eigentümerinnen und Eigentümer. Eine Erstberatung der KundInnen in Uster soll kostenlos sein. Eine aufwendigere Energieberatung soll entsprechend der eingesparten Energie den KundInnen in Rechnung gestellt werden können. Diese Dienstleistung könnte sowohl von der Energie Uster AG als auch von unabhängigen Fachleuten im Auftrag der Stadt vorgenommen werden.

9. Die Stadt Uster nutzt die Kraft der Sonne – und bietet der Energie Uster AG Chancen für mehr Absatz beim Solarstrom.
Ab 1.1.2008 erhalten ProduzentInnen von erneuerbar produziertem Strom deutlich höhere Vergütungen für den produzierten Strom. Diese Vergütung orientiert sich an den Produktionskosten und stellt beispielsweise für Photovoltaikanlagen an gut geeigneten Standorten eine kostendeckende Vergütung (garantiert auf 20 Jahre) sicher. Die Stadt Uster soll deshalb an den sinnvollen Standorten auf Schulhäusern und anderen öffentlichen Bauten Solarstrom erzeugen. Die Investitionen zahlen sich zurück, lokale Unternehmen erhalten Aufträge und die Energie Uster AG kann endlich die Nachfrage ihrer KundInnen nach Solarstrom befriedigen.

Fazit
Mit diesen neun Chancen zeigt die SP Uster auf, wie eine nachhaltige Energieversorgung der Stadt Uster und eine zukunftsgerichtete Ausrichtung der Energie Uster AG durch den Stadtrat und die Führungsgremien der Energie Uster AG gemeinsam erreicht werden können. Neue Märkte entstehen in einem äusserst dynamischen und zukunftsgerichteten Wirtschaftszweig. Die SP will, dass die Energie Uster AG in diesem Wachstumsmarkt ihre Chancen wahrnimmt und damit im neuen Umfeld erfolgreich bestehen kann. Denn durch die Substitution von fossilen Energien und anderen Energieimporten durch ökologischerer Produkte bleibt die Wertschöpfung bei uns in der Region. Davon profitieren nicht nur die Energie Uster AG sondern zahlreiche Unternehmen in unserer Umgebung.

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