Sozialhilfe als Naturalien auszahlen: Unwürdig und untauglich

von Stefan Feldmann (Kommentare: 0)

Dieser Vorschlag ist unwürdig und unbrauchbar. Unwürdig ist er, weil auch Sozialhilfebezüger mündige Mitglieder unserer Gesellschaft sind. Solange sie ihre Miete bezahlen, sich selber oder Familienmitglieder nicht vernachlässigen, ist es ihnen überlassen, ob sie das knapp bemessene Geld für den persönlichen Bedarf lieber für ein TV-Abo, Futter für ein Haustier oder einen Kinobesuch einsetzen wollen. Dieser selbstverantwortliche Umgang mit Geld ist wichtig, ist es doch das Ziel, dass diese Menschen irgendwann wieder selbständig werden. Und da ist es wenig hilfreich, sie in finanzieller Hinsicht derart zu bevormunden. Zumal es für jene, bei denen das mit dem verantwortungsvollen Umgang mit Geld nicht klappt, bereits heute Ausnahmebestimmungen gibt, die es erlauben, andere Lösungen zu treffen.

Unbrauchbar ist der Vorschlag, weil er für die Gemeinden einen riesigen Aufwand bedeutet. Was bedeutet denn «in Naturalien bezahlen»? Dass die Gemeinde Zucker, Milch, Reis, Tampons, WC-Papier etc. selber einkauft und die Sozialhilfebezüger dies auf der Gemeindverwaltung beziehen? Ich bitte Sie! Oder ist daran gedacht, dass Gutscheine abgegeben werden? Das hat man in einigen Kantonen schon ausprobiert und ist schnell wieder davon abgekommen. Nicht nur wurde dadurch ein Schwarzmarkt für den Handel mit solchen Gutscheinen geschaffen, auch der Aufwand der Gemeinden in der Submission und der Verwaltung dieser Gutschein-Systeme war enorm. Es ist deshalb verwunderlich, dass eine Partei, die sonst immer einen Abbau der Verwaltung fordert, hier einer massive Aufblähung derselben das Wort redet.

Beitrag erschienen am 13. Juli im «Zürcher Oberländer/Anzeiger von Uster» im Rahmen der wöchentlichen Rubrik «Pro und Contra».

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